Sternenpapa

Dies ist etwas, was ich am liebsten nie erzählen möchte und doch tut es gut, es endlich loszuwerden. Wie ich zum Kämpfer wurde, nicht im Sinne als Soldat, denn die Wehrpflicht ist nix im Gegensatz zu dem was ich überleben musste.
Denn ich bin ein Sternenpapa.
Nein, nicht von einem Stern im hintersten Quadranten von Ises 9, sondern von zwei bildhübschen kleinen Mädchen.
Es ist so schwer, dieses Gefühl zu beschreiben, das einem etwas aus dem Herzen gerissen wurde, das doch unter einem anderen Herzen herangewachsen ist. Es ist so schwer, das Gefühl zu beschreiben, wenn man 40 Wochen lang die feinen Tritte und Boxhiebe spürte und nun nichts im Arm hat. Es ist so schwer, zu beschreiben, wenn ich doch in meiner Trauer gefangen bin und doch Arme aus Stahl haben musste, um meine Frau aufzufangen, sie zu stützen, ihre Tränen zu trocknen – und wer trocknet meine?
Wie soll ich meine Gefühle beschreiben, wenn ich in das lächelnde Gesicht meiner Tochter sehe, und weiß, dass ich ihren Zwilling kein einziges Mal mehr sehen darf? Manchmal zweifle ich an mir selbst, habe ich doch zwei, nun mittlerweile drei wundervolle Kinder an der Hand, die mich mit ihrem Lachen anstecken. Und doch erreicht es manchmal nicht mein Herz, denn es fehlt etwas, etwas Großes, meine zwei kleinen Sterne da oben.
Freunde und Bekannte können es nicht verstehen, wenn ich in meinem Schmerz nicht feiern mag, sie können es nicht verstehen, wenn mein Blick wehmütig wird, wenn ich andere Geschwisterkinder auf dem Spielplatz sehe. Sie können mich nicht mehr verstehen. Dabei bin ich doch immer noch derselbe, nur mit halber Seele.
Als ob ich von einem Schlachtfeld komme und nur zur Hälfte zurückkehrte, so sehen sie mich manchmal und packen mich in Watte. Dabei möchte ich doch auch nur eine Schulter zum Anlehnen und Ausweinen, aber mir, als Mann, steht das wohl nicht zu, denn ich bin nur ein Kämpfer.
Ein Kämpfer, für mehr Rücksicht.
Ein Kämpfer für mehr Vertrauen.
Ein Kämpfer für meine Familie, denn die muss ich doch schützen. Oder etwa nicht?
Meine zwei Mädchen konnte ich nicht schützen, denn gegen die Natur oder das Schicksal komme ich nicht an. Bin ich deswegen nun schwach?
Werd ich jemals heilen, unter der Rüstung aus Stahl, die ich trage, um durch den Alltag der anderen zu gehen?

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