Interview

Interview mit Frau Anna D.B., die mich mit wunderschön gehäkelten Einschlagdecken versorgt.

Liebe Anna, du handarbeitest für dein Leben gern…hast du schon immer gehäkelt und gestrickt ?

Dazu sagt Anna: Ich habe als Kind in der Schule häkeln gelernt, später von meiner Mutter auch noch stricken.
Da wir nicht wirklich begütert waren, haben wir für unsere Puppen neue Kleidchen immer selbst gehäkelt.
Während meiner Teenagerzeit war Handarbeiten „OUT“, da habe ich dann Schmuck aus Silberdraht hergestellt.

Zum Handarbeiten kam ich dann wieder durch meinen Mann…kurz, nachdem wir uns kennenlernten, wurde er am Fuß operiert.
Es war kalt draußen und eine normale Socke passte nicht über den Gips, um die nackten Zehen zu schützen.
Also strickte ich eine Art Zipfelmütze für das arme Männerfüßchen.
Und dann wollte er eine richtige Mütze und einen Schal…so ging es dann mit dem Häkeln und Stricken wieder los.

Ich frage weiter:
Anna, was genau ist Dein persönlicher Antrieb, für Sternenzauber und Frühchenwunder zu häkeln ?

Dazu sagt Anna mir:
Ich handarbeite schon länger für „gute Zwecke“, z.B. für eine Freundin, die die Sachen für die Schnauzerhilfe verkauft hat.
Als sie damit aufhörte, habe ich die restlichen Sachen verschenkt – und mich auf die Suche nach einer neuen Aufgabe gemacht.

Als du mir vorschlugst, für Sternenkinder zu häkeln, war ich gleich mit Begeisterung dabei.

Ich bin aufgrund einer psychischen Erkrankung schon länger zu Hause, mittlerweile sogar im Ruhestand.
Es fällt mir schwer, unter Menschen zu gehen und die viele freie Zeit kann bedrückend sein.

Seit ich für Sternenzauber und Frühchenwunder häkele, habe ich IMMER eine sinnvolle Beschäftigung.

Ich frage weiter:
Wie reagiert Deine Umwelt darauf ? Welche positiven oder negativen Reaktionen haben Dich getroffen ?

Anna sagt mir dazu:
Meine Häkelsachen nehme ich immer mit, ich sitze zum Beispiel in der Arztpraxis im Wartezimmer und häkele an meinen Deckchen und Mützchen.
Auch in meinem Lieblingscafé und in der Kaffeeecke der Bäckerei.

Ich werde sehr häufig darauf angesprochen, und bis auf eine bekam ich immer positive Rückmeldungen.

Manchmal setzen sich Frauen auch spontan zu mir und erzählen von ihrem Kummer, wenn sie ein Kind verloren hatten und es nichts gab, was sie ihrem Kind hätten anziehen oder worin sie es hätten betten können.

Die einzig negative Rückmeldung kam von einer Dame, die mein Tun für „sinnlosen Quatsch“ hielt, die sich dazu versteig, mir zu sagen, wegen meiner Depressionen solle ich aufhören, mich mit etwas zu beschäftigen, was mich ständig an Tod erinnert.

Ich sagte ihr, was mich antreibt, mit Liebe diese Deckchen so schön wie möglich zu häkeln:

In jede Masche häkele ich die Hoffnung mit ein, mein fertiges Werk möge wenigstens eine einzige Träne trocknen und die Tatsache, etwas schönes und weiches und kuscheliges für sein Kind zu haben, möge den Kummer ein klitzekleines bisschen erträglicher machen.

DANKE liebe Anna für deine offenen Worte und für den tollen Beitrag, den du mit deinen wundervollen Werken leistest.
Ich bin mir sicher, dass du den Familien in ihren schwersten Stunden etwas Farbe in den Kummer bringst.

Marina

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