Bloggen ist wie Wasser trinken – nur andersrum

Bloggen ist wie Wasser trinken – nur andersrum

Ich werde öfter gefragt, wie ich es hinbekomme, so lange und tolle Texte zu schreiben.
Für mich ist das keine Zauberei, aber ein wenig schwer zu erklären. Trotzdem will ich es gerne mal versuchen:
Wenn ich etwas schreiben will, muss ich es mir vornehmen. Zum Beispiel werden immer wieder Blogbeiträge gesucht. Dabei haben wir die Freiheit über alles zu schreiben, wonach uns der Sinn steht. Ich starte dann so etwas wie ein Backgroundprogramm in meinem Hinterkopf (jaa, der Hinterkopf ist auch voll, aber da passt es am Besten hin). Neben meinem normalen Tagesablauf schaue ich im Geiste quasi wie eine dritte Person (Nr. 1 bin ich, Nr. 2 hat sich mir bisher noch nicht vorgestellt.. aber ich schweife ab) auf meinen Alltag und überlege, ob es sich lohnt, darüber zu schreiben.

Lohnen ist zwar ein hartes Wort, aber die Beiträge sollen ja bitte auch interessant sein.
Wenn ich dann nun ein Thema finde, über das ich gerne ein paar Worte verlieren möchte, geht es bei mir meist ein wenig ungeordnet vor: Stellt euch die in meinem Kopf erscheinenden Gedanken ein wenig vor wie Mehl …. viel Mehl … , das anfangs noch ordentlich in seiner Packung (dem Thema oder dem „Reiz(-wort oder -bild)“) verpackt mit Schwung aus dem dritten Stock aufs Pflaster knallt und sich mit einem beeindruckenden PUFF! in weitem Umkreis verteilt. Das Thema, über das ich schreiben will, löst bei mir immer eine Vielzahl von Eindrücken, Gefühlen, Bildern und Meinungen aus. Oder jemand gibt mir dieses Thema, indem er mich darauf anspricht. Zum Beispiel waren es schon die Schlagzeile „Baby ausgesetzt“ oder auch ein Bild von einem weißen, wunderschön aufgebahrten Baby-Sarg oder eine Mülltonne, aus der die Ecke einer Babydecke lugte. Oder auch eines der atemberaubend schönen Werke aus unserer Gruppe, aber auch etwas, was meine Kinder sagen, fragen oder tun … oder eben nicht tun. Diese „Mehlwolke“ versuche ich dann mit meinem roten (Text-) Faden zu erfassen und beschreibe nicht nur nackte Fakten, sondern auch meine Gefühle, meine Meinungen und die Anderer. Das macht den Text lebendig, greifbar. Gerade Berichte von Treffen leben von kleinen Details oder herzerwärmenden Beobachtungen.

Dabei habe ich das große Glück, dass mir das Schreiben leicht fällt. Ich lausche einfach der Stimme in meinem Inneren, sie diktiert mir fast den Text. Es fließt aus mir heraus wie Wasser.
Was mir schwer fällt, ist dann nur, mit ihrer Geschwindigkeit Schritt zu halten. Ich nehme meine Umgebung dann nicht mehr wirklich wahr, so konzentriert bin ich auf meinen Text. Ablenkung unterbricht nur meine innere Stimme und damit auch meinen Textfluss. Während ich dann genauso schnell zu schreiben versuche, wie ich denke, werden die Texte irgendwie immer seeeehr lang. Darauf brauche ich mich gar nicht zu konzentrieren. Meine innere Stimme – so scheint es mir manchmal – macht häufig erst nach einer DIN A4-Seite Text eine Atempause.

Gerade bei solchen Fließtexten gibt es etwas wirklich Wichtiges zu beachten: Ein Text erscheint immer dann für uns schön, wenn er sich angenehm lesen lässt. Ich meine mit „angenehm“ aber nicht das Thema, sondern die verwendeten Worte. Wörter, die wir selten verwenden oder die sehr kompliziert zu lesen sind, lassen euch vielleicht klüger wirken, der Leser muss dieses Wort oder diesen Satz vielleicht aber mehrfach lesen, um ihn zu erfassen und zu verstehen. Das hält beim Lesen auf und es „hakt“. Ein Text muss fließen, das Auge muss ihn einfach erfassen können. Aufwendige, verschnörkelte Sätze sind da eher ungeeignet. Einzelne Wörter zu ersetzen, bringt dann oft eine deutliche Verbesserung. Oder eben Mut zum Punkt.

Es lohnt sich also, seinen Text noch mehrfach zu lesen und auf solche Stolpersteine zu achten. Niemand hat etwas gegen ausgedachte Wortkreationen, solange sie den Regeln der deutschen Sprache folgen. Wobei ich beim letzten Punkt bin.
Ich bin immer der Meinung: wer viel liest, der schreibt auch gut. Es entwickelt sich ein Gefühl, wie man den nächsten Satz am besten formuliert, um im Fluss zu bleiben.

Ihr seht, eigentlich ist es keine Zauberei. Hört auf eure innere Stimme, sie ist wie auch im realen Leben euer bester Diktator.

Wann habt ihr ihn das letzte Mal euch einen Text diktieren lassen?
Versucht es mal, ihr werdet erstaunt sein. Haltet nur einen bequemen Stift bereit.

Anja

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