Aufklärungsarbeit in Schwedt

* * * Aktivitätsbericht Berlin/Brandenburg * * *
Treffen mit den Hebammen vom Klinikum Schwedt

Ihr Lieben,
ich bin zwar gerade schon echt müde, aber ich möchte euch natürlich gerne über die aktuellen Geschehnisse im tiefsten Nordosten Deutschlands auf dem Laufenden halten.

Heute war Marlen (schwer bepackt) zusammen mit mir und meiner blauen Fächermappe wieder im Klinikum Schwedt zu einem weiteren Gespräch zum Thema Sternchenbetreuung.
Wir wurden im Kreißsaal auch ganz lieb von den beiden Hebammen empfangen und in deren Büro gelotst.
Wie abgesprochen, hat heute die liebe Marlen den führenden Part bei uns übernommen, und ich habe mich mehr ums Schreiben gekümmert. Wir haben uns und den Verein dann auch recht zügig vorgestellt und da gesellte sich dann auch der neue Chefarzt der Gyn zu uns.
Zu unserer Überraschung kannte er diese Sachen für Sternchen auch schon aus seiner früheren Anstellung in Greifswald.
Wir haben dann erfahren, dass das Asklepios Klinikum Schwedt, alle Frühchen bis zur 32. Woche nach Berlin umbetten lässt und die Sternchen unter 500g nicht im Kreißsaal geholt werden, sondern im OP, der bei Sternchen dem Chefarzt untersteht.
Alle anderen Sternchen kommen im Kreißsaal auf die Welt.

Die beiden Hebammen waren sehr erfahrene Frauen, die uns (wir beide mit sooooooolchen -OO- Augen) erzählten, dass sie versuchen, die Eltern in dieser schlimmen Situation so gut es geht zu unterstützen. Sie bekommen teilweise auch Gestricktes von Privatpersonen, das sie dann benutzen. Sie erzählten von Fotos, die sie auf Wunsch der Eltern mit deren Handy aufnehmen.

Wir haben auch über Aufklärung der Mütter, über ihre Einflussmöglichkeiten auf die Geburt und ihre Rechte am Kind gesprochen. Kurzum, Marlenchen hat Vollgas gegeben und alle Verbesserungsvorschläge, beziehungsweise Eckpunkte, die wir ansprechen wollten, auf den Tisch gepackt.

Leider musste uns der Chefarzt dann verlassen, nachdem Marlen ihre ganzen Mitbringsel auf dem Tisch ausgebreitet hatte (Teile davon siehe Foto). Aber er befürwortet unsere Arbeit und auch die beiden Damen waren von den schönen Sachen hin und weg.

Alles in Allem waren die Hebammen vom Auftreten und von der Einstellung her komplett anders eingestellt als die Schwestern der Gyn-Station. Hier im Kreißsaal hatte ich echt das Gefühl, dass Sterncheneltern mit größeren Sternchen gut aufgehoben sind. Die ganzen Negativberichte, die ich bisher gehört habe, betreffen kleine Sternchen, so dass ich mich jetzt echt frage, warum da so unterschiedliche Bilder entstehen. Das ist definitiv noch ein Punkt, an dem wir nachhaken werden.

Wir haben dann ganz konkret über eine Ausstattung des Kreißsaals gesprochen, und anhand der mitgebrachten Muster, Wunschsets der Hebammen zusammengestellt auf Basis der Erfahrungen, die sie mit dem Zustand der Sternchen gemacht haben. Ich habe immer fleißig mitgeschrieben und so hatten wir dann am Ende, ich kann`s immer noch nicht fassen, eine Bestellung auf dem Zettel.

Ja, ihr halluziniert nicht, es ist tatsächlich passiert.

Das Krankenhaus Schwedt/ der Kreißsaal hat bei uns eine Ausstattung für Sternchen über 500g bestellt. Komplett mit Schnick und Schnack, auch Karten, Schlüsselanhänger und Taufaufleger. Harry Hase wurde hier sehr gut aufgenommen und darf auch in die gelb gestrichenen Hallen einziehen. Sie wünschen sich auch große Körbchen für die größeren Sternchen, damit diese durch die Mütter leichter handzuhaben sind.
Andere Sachen wie Augentücher, Dufttücher und Inkubatordecken sind hier nicht gefragt, da gibt es entweder schon professionelle Ausstattung oder Ähnliches.

Mit dieser Bestellung haben wir uns dann auch dem Ende gewidmet und über Übergabe, Kontaktmöglichkeiten und so weiter gesprochen. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und ich hoffe, dass wir noch ein paar mehr Einblicke erhalten.

Nach diesem Gespräch haben wir beide uns angeguckt und ich sagte nur: „Und was ist jetzt mit den Sternchen unter 500g? Die, die gerne vergessen werden?“
Also haben wir uns gleich den nächsten Termin geholt, um an der Ecke noch weiter zu feilen und auch mit dem Thema Sternchenbestattungen weiter zu kommen. Dafür waren nämlich heute nicht die richtigen Leute anwesend.

Die Hebammen meinten, dass manche Eltern, die einen Schwangerschaftsabbruch (bewusst) machen lassen, sich meist nicht um ihre Kinder kümmern wollen. Eine Sternchenbestattung für die Sternchen, deren Eltern das ausdrücklich wünschen, sehen sie als gerechtfertigt an. Für mich ist es aber ein wichtiges Ziel, dass auch die Ungewollten ein würdevolles Begräbnis erhalten. Daher habe ich da nicht locker gelassen und bin nach einer Weile auf das Thema zurückgekommen und habe gemeint, dass die Eltern in der aktuellen Verlustsituation sich vielleicht nicht um ein würdevolles Begräbnis des Kindes kümmern wollen, aber dann doch nach einigen Jahren nach ihrem Kind fragen. Damit die Klinik dann die gute, „befriedigende“ Antwort geben könnte, dass es in einer Sammelbestattung beerdigt wurde, schien die Hebammen doch von meinem Standpunkt zu überzeugen. Dumm nur, dass die beiden Lieben da die falschen Ansprechpartner sind.

So war unser heutiger Erfolg zwar durchaus episch im Vergleich zu unseren anderen, zahllosen und zutiefst frustrierenden Versuchen, aber leider ist das für mich nur ein halber Sieg. Ich weiß, meckern auf hohem Niveau und Spatz und Dach und bla, aber ich habe mir vorgenommen, auch weiterhin für eine würdevolle Beisetzung der Kleinsten zu kämpfen, für die sonst niemand spricht.

Ich freue mich trotzdem auf die erste Übergabe und den nächsten Termin. Bis dahin sind wir dann mal mit Packen beschäftigt.

Februar 2019
Anja Beutel

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