Sternenbestattung

13.11.2019

Da ich im Oktober mit einer ziemlichen Hauruckaktion umgezogen bin, hänge ich noch etwas durch. Mein Versprechen hielt ich aber ein und war im November auf der gemeinschaftlichen Beisetzung der Sternenkinder in Wiesbaden.

Ich bedanke mich bei allen, die durch ihr Mitwirken irgendwie dabei waren und mir damit Kraft gegeben haben. Da ich noch so reich von den vorherigen Malen mit Erinnerungsgegenständen bedacht war, brauchte ich nichts Neues bei euch anfragen.

Wenn auch verspätet, aber nicht minder emotional berührt, hier mein Bericht.

Die Trauerfeier war wieder eine gemeinschaftliche Bestattung aller Glaubensrichtungen und organisiert vom „Sternengarten Wiesbaden e.V.“ Begleitet wurde sie von evangelischen, katholischen und muslimischen Rednerinnen. Ich selbst war diesmal nur im Vorraum mit dabei.

Da es vor einiger Zeit Unruhe und Störungen von Abtreibungsgegnern gab, wird die Trauerfeier von Polizisten begleitet. Zeigen sie am Eingang des Friedhofes bewusst noch Präsenz, sind sie ab dem Zugang zur Trauerhalle dezent im Hintergrund. Auch die Friedhofsgärtner sind personell in diesen Stunden aufgestockt und haben ein wachsames Auge.

Berührt hat mich dieses Mal die große Anwesenheit von Angehörigen und Freunden, die heute Begleiter der Eltern waren in ihrer traurige Situation. Es war spürbar, dass die Eltern nicht alleine gelassen sind. Auch viele Kinder (Geschwister) waren dabei. Ihnen konnte ich die Hauke/Harry Hase Pixi Bücher geben, beziehungsweise den Eltern einen Flyer mitgeben, damit sie später das Stofftier im Verein anfragen können.

Jedes Mal aufs Neue fällt es mir schwer, betroffene Eltern anzusprechen und ihnen mein Anliegen zu vermitteln.
Es kommt mir jedes Mal so vor, als wolle ich etwas von den Eltern und ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, ist schon sehr viel verlangt. Dabei möchte ich ihnen doch etwas mitgeben, das es ihnen ein klitzekleines bisschen leichter macht. Den Schmerz in den Augen zu sehen, das tapfere Zusammenreißen des Gemütszustandes; besonders die Väter, die ihre Beschützerrolle in dem Moment nicht ablegen können, berührte mich diesmal emotional sehr stark.

Die Eltern sind doch in einem Moment, wo die Welt still steht, gar nicht in der Lage, alles zu erfassen und aufzunehmen. So versuche ich mich möglichst kurz zu halten und die Worte mit Bedacht zu wählen. Ich tue es, weil ich hinterher auch Momente des Trostes sehen kann. Mütter halten eines der gehäkelten Sternchen fest in ihren Händen, um es später ihrem Sternchen mit ins Grab zu geben. Ein dankbarer Blick, wenn die Eltern mit unser Geste sehen, dass sie begleitet werden, dass sie nicht alleine sind.

Annette Täger
Jänner 2020

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