Momente meines Lebens

Gedrückt werden

Mein kleiner Sohn ist jetzt ungefähr 18 Monate alt. Ich beobachte mit tiefer Freude, wie sein kleiner Geist erwacht und er nicht nur auf seine Umwelt reagiert, sondern selber Initiative ergreift. Er schäkert, er kaspert rum, er bockt und wütet. Und er liebt es, mir beim Spielen zuhause wieder und wieder in meine wartenden Arme zu laufen.

Mein kleiner blonder Sonnenschein geht ja nun schon seit fast einem Jahr in die Kita und die Eingewöhnung war absolut unkompliziert verlaufen. Reinkommen, ausziehen, los geht’s mit Spielen. Ich muss mir kein hysterisches Geheule anhören und die Betreuerinnen müssen ihn nicht wie einen Kaugummi von mir abkratzen. Eigentlich habe ich es richtig gut getroffen.
Aber doch versetzt es mir immer einen kleinen Stich, wenn er sich – ohne sich noch einmal umzudrehen – auf das rumliegende Spielzeug stürzt. Auch wenn er sonst immer sehr an mir hängt, in der Kita bin ich dann plötzlich unwichtig. Das fremde Spielzeug und die anderen Kinder sind einfach zu verlockend.
Gerade puhle ich ihn wieder aus seiner Hose und ziehe ihm noch schnell seine Kitaschuhe wieder an, denn mein kleiner Wirbelwind zappelt schon ungeduldig mit den Armen. Er will jetzt schnell spielen gehen. Und so springt er auch gleich auf und stiefelt los, kaum habe ich den zweiten Klettverschluss geschlossen. Ich bin schon wieder dabei zu seufzen und meine Schultern sinken ein wenig nach unten, als er plötzlich anhält. Er dreht sich nochmal rum, strahlt mich an und schmeißt sich mit Anlauf in meine Arme, um sich zu verabschieden. Ich bin so überrascht, dass ich ihn fast noch fallen lasse. 
Und ich grinse wie verrückt. Ich grinse sogar noch, als ich auf meiner Arbeit ankomme.
Es war sooo toll. Das werde ich nie vergessen.

Anja

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