Drahtseil

Dieses Bild erwischt mich. Eiskalt.

Wie ein Fall vom Drahtseil. Ohne Netz, ohne doppelten Boden.

Als mein Mann und ich beschlossen, dass langsam die Zeit kommt, uns komplett zu machen, es aber nicht funktionieren wollte, immer und immer wieder nicht, fühlte ich mich genauso.
Ich rannte im Kreis…aber die Richtung: ungewiss…

Das Ziel? Unbekannt.

Der Weg führte uns in eine Kinderwunsch-Klinik.

„Hey, euch wird jetzt endlich geholfen.“

Aussagen von Freunden die Mut machen sollten.
Tatsächlich pumpte ich mich mit Hormonen voll. Nach Uhrzeit getaktet rannte ich durch meine Welt.
Nasensprays, Pflaster, Spritzen, Ultraschalluntersuchungen.
Völlig fremdbestimmt durch Uhrzeiten oder Ärzte.
Und dann kam der große Tag.
Die Eizellen werden entnommen, außerhalb des Körpers befruchtet, sie werden wieder eingesetzt und nun ist man was?
Schwanger?
Nicht Schwanger?
Und wieder gehe ich diese Treppe. Hoch? Runter?

Zehn Tage später wird die Blutuntersuchung gemacht. Zehn unendliche Tage.
Voller Gedanken wie: Hatte mein Körper Anzeichen? Welche? Ist dir morgens schlecht? Muss Dir schlecht sein?

Und dann der ernüchternde Anruf des Labors:
„Es tut uns leid, wir können keine Schwangerschaft feststellen.“

Ich falle.
Ohne Netz, ohne doppelten Boden.
Aber tief.

„Hey, sei nicht traurig, beim nächsten Mal klappt das schon.“

Und schon renne ich wieder diese Treppe hoch und runter ohne zu wissen ob ich überhaupt hoch oder runter laufe…

 

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