Autokindersitze für Frühchen

Eltern von Frühchen fiebern alle einem bestimmten Tag entgegen – dem Tag, an dem es endlich nach Hause geht! Oftmals ist noch einiges unklar, wie groß und schwer wird mein Kind sein, wenn es endlich nach Hause darf? Wie entwickelt ist zu diesem Zeitpunkt die Lunge, das Herz oder auch die Hüfte? Wird mein Kind mit einem Katheter oder mit Überwachungsmonitoren entlassen und wie sieht es mit dem Muskeltonus aus? Und dann bleibt da natürlich auch die Frage des Transports nach Hause.

Mein Name ist Inga Küpper und ich habe mir zum Ziel gesetzt Eltern wie Fachpersonal für das wichtige Thema: „Frühchen in Babyschalen“ zu sensibilisieren und aufzuklären.

Viele Eltern entscheiden sich bereits in den ersten Monaten der Schwangerschaft dafür die ersten Anschaffungen für das zukünftige neue Familienmitglied zu tätigen. Darunter fällt leider auch oft der Kauf einer Babyschale. Aber war dies die richtige Entscheidung? War es nicht noch zu früh?

Am Ende ist die Kleidung oftmals viel zu groß (oder zu klein), das eigene Bettchen wird noch gar nicht gebraucht, gekaufte Tragehilfen erst ab ca. 3,5 Kilo oder 56 cm geeignet, in dem Kinderwagen will das Kind einfach nicht liegen und die teuer gekaufte Babyschale passt irgendwie nicht. Das Köpfchen wird in der angeschafften Babyschale nicht richtig gestützt, die Gurte können nicht an die Größe des Kindes angepasst werden, die Sauerstoffsättigung sinkt rapide ab, sobald das Kind in der Babyschale angeschnallt ist, während der Kopf stark auf das Brustbein sinkt. Die vorab gekaufte Babyschale kann meist nicht optimal auf die besonderen Bedürfnisse des Frühchens angepasst werden. Zum Beispiel fallen darunter die Gurteinstellung, der Seitenhalt und auch die Haltung des Kopfes. Der sollte, um eine optimale Sauerstoffsättigung zu erreichen, gut hinten aufliegen und auf gar keinen Fall darf das Kinn auf das Brustbein kippen.

Wie transportiere ich also nun mein kleines Wunder am besten? Welche Babyschale ist wirklich geeignet? Was darf ich und was darf ich nicht? Was bedeuten diese ganzen unterschiedlichen Normen? Auf diese und mehr Fragen wollen wir in diesem Artikel eingehen.

Welche Babyschale ist die richtige?
Tja, diese Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Fakt ist, jedes Baby ist anders und benötigt vielleicht eine andere Schale. Nur weil die eine Schale für den großen Bruder die richtige war, muss die kleine Schwester da noch lange nicht reinpassen.

Beginnen wir vielleicht mit den Normen. Bereits 1963 kam der erste Kindersitz auf den Markt. Seitdem und vor allem in den letzten Jahren hat sich sehr viel verändert. Auch die Crashtests z. B. beim deutschen ADAC verändern sich laufend. Aktuell gibt es drei zugelassene Normen: I-Size (UN ECE Reg. 129) und UN ECE Reg. 44/04 und 44/03 (galt von 1995 bis 2005). Die alten Normen UN ECE Reg. Sitze nach UN ECE Reg. 44/01 und 44/02 dürfen nicht mehr eingesetzt werden!
Bei der neuesten I-Size Kindersitznorm nach R 129 wird besonders viel Wert auf einen sehr guten Seitenaufprallschutz des Kindersitzes gelegt. Sitze die nach UN ECE Reg. 44/4 und 44/03 zugelassen sind, müssen im Test wiederum keinen Seitenaufpralltest bestehen.

Jede Babyschale hat einen orangefarbenen Aufkleber, der anzeigt, nach welcher Norm die Babyschale zugelassen ist. Fehlt dieser, ist die Schale für den Straßenverkehr nicht mehr zugelassen! Jede Babyschale hat auch einen „Stempel“ der anzeigt, wie alt die Babyschale bereits ist. Die Nutzungsspanne einer Babyschale legt der Kindersitzhersteller fest. Die jeweilige Lebensdauer einer Babyschale hängt von vielen verschiedenen Faktoren wie z. B. den jeweils eingesetzten Materialien, ihrer Verarbeitung, der ausgesetzten UV-Strahlung und natürlich den ausgesetzten starken Temperaturschwankungen ab, denen ein Kindersitz ausgesetzt ist. Dies alles kann die Lebensdauer eines Sitzes verkürzen. Grob gesagt, können Babyschalen ca. 3-10 Jahre genutzt werden. Danach sollten diese auf dem Sperrmüll entsorgt werden.

Viele Eltern kaufen gebrauchte Babyschalen oder bekommen diese bereits in der Schwangerschaft von Freunden oder Geschwistern geschenkt. Hier ist zu beachten, dass es sich bei Babyschalen und allen Kindersitzen um Sicherheitsartikel handelt, und dass beim Erwerb der Babyschale unbedingt ausgeschlossen werden muss, dass diese eventuell schon in einen Unfall verwickelt war oder aber aus einer geringen Höhe herunterfallen ist.
Viele Fachhändler bieten bei einem Neukauf eine entsprechende und kostenlose Unfallaustauschgarantie an. Sitze müssen, je nach Herstellervorgaben, ab 0km/h, 10km/h oder 40km/h aktuell getauscht werden. Oftmals sind gebrauchte oder geschenkte Sitze nicht mehr vollständig. So fehlen z.B. die Originalpolster an den Schultergurten oder am Schrittgurtschloss. Ältere Modelle haben noch keinen optimierten Sitzverkleinerer für sehr kleine Kinder und sind auch nicht unbedingt ab 40 cm zugelassen. Hier heißt es: Bedienungsanleitung immer lesen. Aufkleber und Sitz auf Vollständigkeit prüfen.

Babyschalen sind im Straßenverkehr nur mit Originalpolstern des Herstellers zugelassen. Selbstgenähte Polster sind nicht erlaubt! Wenn ich nun diese Punkte kenne, berücksichtige und mich eingelesen habe, für welche Schale sollte ich mich also entscheiden und vor allem wann?

Es gibt nicht DAS Baby und DIE Schale! Es gibt auch nicht DAS Auto, in dem jede Babyschale perfekt steht. Babyschalen sollten grundsätzlich immer beim Fachhändler, mit Kind und vor dem Kauf im Auto getestet werden. Kaufe ich bereits in der Schwangerschaft und ohne Kind meine Schale, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Schale nicht zum Kind passt und (sehr wichtig!) auch nicht, zum Auto passt. Diese Fakten sind aber vor allem bei unreif geborenen oder sehr kleinen und zarten reifgeborenen Kindern sehr wichtig. Der Fachhändler hat da ein geschultes Auge und sieht schnell, ob die Babyschale geeignet ist. Manche Schalen stehen im Auto mit dem 3-Punkt-Gurt angeschnallt besser, als auf einer Basisstation oder umgekehrt.

Um möglichst Fehlkäufe zu vermeiden und die optimale Schale für das Baby zu finden, bieten viele Fachhändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits seit Jahren die sogenannte „Babyschalen-Aktion“ an. Interessierte Eltern können sich bei diesen Fachhändlern in der Schwangerschaft beraten und dann auf eine Liste setzen lassen. Rechtzeitig vor der Entbindung kann dann eine geeignete Babyschale gegen eine Kaution abgeholt werden. Und geht es dann doch mal schneller als erwartet – kein Problem, ein Anruf beim Fachhändler genügt und er bereitet die Schale sofort zur Abholung vor. Weiß der Händler, wie groß und schwer das Kind ist oder ob es nur liegend transportiert werden darf, einen Gips, eine Hüftspreizhose, oder eine Kumfußschiene hat, kann er die passende Schale für das Kind raussuchen. Mit dieser Schale können die Eltern erst einmal entspannt die erste Autofahrt unternehmen. Sind Mama und Kind stabil und gut zu Hause ankommen, wird ein Termin beim Fachhändler vereinbart und dieser schaut dann gemeinsam mit den Eltern, welche Schale zum Kind und zum Auto passt. Das Kind kann in jeder Babyschale probeliegen, die Schale wird mit oder ohne Basissystem in das oder die Autos eingebaut. Gemeinsam wird dann entschieden, welche Babyschalen sowohl zum Kind als auch vom Winkel her zum Fahrzeug passt.

Eine Babyschale, soll das Baby im Optimalfall bei einem Verkehrsunfall schützen. Das geht aber nur mit der passenden Schale, wenn das Kind ordentlich gesichert ist und die Schale bzw. die Basisstation richtig montiert wurde. Die Schale kann noch so sicher sein – falsch eingebaut oder mit einem nicht richtig angeschnallten Baby, kann es bereits bei einem leichten Verkehrsunfall ab 10 km/h oder einer Vollbremsung u.a. zu starken Verletzungen kommen.

Der klare Vorteil für die Eltern bei der Babyschalenaktion liegt vor allem auf der Beratung vor Ort mit ihren individuellen Bedürfnissen für das Neugeborene. So können neben der korrekten Haltung für Hüfte, Kopf und auch Schultern gleich das sichere Anschnallen direkt geübt werden. Auch die Nutzung für kalte und warme Jahreszeiten und die richtige Anwendung im Auto werden gemeinsam besprochen. Somit werden mögliche Handhabungsfehler direkt ausgeschlossen.

Vereinbaren Sie mit ihrem Fachhändler eine Beratung und Sie werden staunen, welchen Besonderheiten jede einzelne Schale aufzeigt. Ich möchte, dass alle Kinder so sicher wie nur möglich transportiert werden können. Denn die richtige Babyschale kann Leben retten!

Link – Tipp: Grüne Fachhändlerkarte zum Kindersitzfachhandelsexperten: https://www.google.com/maps/d/viewer…

– Inga Küpper

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