Auszug der Kinder Israels aus Ägypten

Auszug der Kinder Israels aus Ägypten

Früher, als ich klein war und wir in den Urlaub fahren wollten, pflegte meine Mutter beim Anblick aller gepackten Taschen, Koffer, Beutel mit Spiel- und Malzeugs für die Fahrt, Korb mit Weg-Verpflegung (wir hielten auf einem Rastplatz und futterten mit tollem „Picknick“-Gefühl die mitgenommenen Brote, Frikadellen, hart gekochten Eier und was sonst noch in dem tollen Picknickkorb war) mit einem Kopfschütteln zu sagen „Auszug der Kinder Israels aus Ägypten“. Ich kannte das aus meiner Kinderbibel und habe dadurch wohl eine etwas falsche Vorstellung von dem Marsch durch die Wüste erhalten … aber ich schweife ab.
Meine Oma fragte immer, wenn ich meine Sachen packte „Hast du jetzt alle deine Klabusterbeeren zusammen?“. Und eine Tante sagte „Nun pack dein Backbeermus, wir wollen los“.
Als ich das erste Mal zu einem Kreativ-Treffen ging, stand ich kurz vor der Abfahrt im Flur und betrachtete die gepackten Kisten und Taschen.
Wolle, die ich spenden wollte, fertige Sachen, die schön eingepackt waren, Wolle, mit der ich einen Häkel-Workshop abhalten wollte, Futter für die Nerven und für’s Buffet, Bastelsachen und so viele Kleinigkeiten, die ihren Weg in Taschen und Kisten gefunden hatte.
Ich zog meine Schuhe an und während der Blick über das geordnete Durcheinander aus Taschen und Kästen fiel, schüttelte ich den Kopf und murmelte „Auszug der Kinder Israels aus Ägypten“.
Und plötzlich musste ich lächeln. Da war sie, meine Mutter, die schmunzelnd bei mir war.
Bei meiner Ankunft am Ort des Treffens war es an allen Autos ähnlich. Taschen, Beutel, Kisten, Maschinen, unglaubliche Mengen wurden entladen und in den Saal geschleppt.
Ich sagte die vertrauten Worte und alle lachten fröhlich, denn genau so fühlte es sich an.
Später, als es an den Aufbruch ging, rutschte mir ein „Ich packe dann mal meine Klabusterbeeren ein“.
Bei jedem Treffen wiederholt sich das und so sind sie immer bei uns, unsere Mütter, Großmütter, Tanten und wer uns sonst noch mit diesen liebevoll daher gesagten Schnacks geprägt hat. Die Generation, die die Wahrnehmung und Anerkennung ihrer Sternenkinder nie erleben durfte, begleitet uns unsichtbar auf unserem Weg Sternenkinder für alle sichtbar zu machen und ihnen den würdevollen Abschied zu geben, den jeder Mensch verdient. Egal wie klein er ist.
So, und nun packe ich mein Backbeermus und gehe in die Sonne, um Erinnerungsstücke zu häkeln …

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