Abschiedsfeier für still geborene Kinder auf dem Friedhof Öjendorf

Ein Beitrag vom Verwaiste Eltern und Geschwister e. V., den wir gern an dieser Stelle teilen möchten.


„Etwas in die Hand geben“

Abschiedsfeier für still geborene Kinder auf dem Friedhof Öjendorf

Viermal im Jahr findet auf dem Friedhof Öjendorf eine Abschiedsfeier für die ganz Kleinen statt, für still geborene Kinder. Veranstaltet vom Verein „Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V.“ und der evangelischen Krankenhausseelsorge Hamburg. Ab März 2018 in Kooperation mit „Bethanien Sternenkinder“.

Die Eltern der stillgeborenen Kinder sowie weitere Angehörige haben die Möglichkeit, bewusst Abschied zu nehmen. Von ihren Kindern und damit verbundenen Plänen und Träumen der gemeinsamen Zukunft.

Abschiednehmen ist schmerzvoll, aber auch wichtig. Um das Geschehene verarbeiten zu können. Um die Bedeutung des Kindes für einen selber und auch andere greifbar zu machen.

Mit Gebeten, Segen, weltlichen Texten und Musik wird die Abschiedsfeier gestaltet, so dass jeder sich und seine Gefühle und Fragen in etwas wiederfinden kann. Auch einen Gestaltungsteil gibt es, bei dem die Eltern kleine Briefe an ihre Kinder schreiben können – ihnen noch eine Nachricht und Gedanken mit auf den Weg geben können.

Nach der Abschiedsfeier wird sich gemeinsam auf den Weg gemacht zum Grab. Der kleine Korbsarg mit den bunten Bändern und der Asche der Kleinen wird behutsam durch ein beschützendes Spalier von Eltern und Angehörigen getragen. Wer mag, darf zeitweise den Sarg tragen. Auch diese Schritte können helfen auf dem Weg der Verarbeitung.

Am Grab werden die Kleinen beerdigt. Jeder kann für sich Abschied nehmen mit Blumen, etwas Symbolischen, mit Gedanken. Begleitet von hilfreichen Ritualen und Texten.

Manche Eltern und Familien mögen danach noch zu einem Kaffeetrinken mitkommen um sich auszutauschen mit anderen Betroffenen und den Trauerbegleiterinnen. Um dort zu erzählen über die eigene Situation, über Schweres und vielleicht Kraftgebendes.

Die, die dorthin mitkommen, aber auch die, die für sich bleiben möchten, bekommen etwas in die Hand. Ein kleines Symbol, passend zum Thema der Abschiedsfeier – einen Stern, einen Schmetterling, eine Sonnenblume, einen Regenbogen. Hineingelegt in eine kleine Tasche. Genäht, gehäkelt, gebunden. Liebevoll gestaltet mit den Händen vieler ehrenamtlich tätiger Frauen in ganz Deutschland. Als kleiner Schlüsselanhänger z.B. für einen Vater. Als weicher Handschmeichler für eine Mutter. Auch kleine Schutzengel sind dabei aus Perlen, sorgsam hineingelegt in eine gestaltete Streichholzschachtel.

Die Taschen mit diesen kleinen Schätzen dürfen die Eltern wählen, wenn sie vom Grab kommen. Dann hebt sich ein wenig der Blick dieser Eltern, bei manchen huscht ein Lächeln über das Gesicht, leuchten kurz die Augen. Geschwisterkinder freuen sich, sie werden in den Blick genommen. Die kleinen Dinge sind etwas Greifbares, das mitgenommen werden kann. Oft gibt es nichts oder so wenig Greifbares vom verstorbenen Kind. Sie erinnern an den Abschied vom Kind, aber auch an die Liebe zum Kind.

Die Liebe bleibt.

Wir danken dem Verein „Sternenzauber und Frühchenwunder“ herzlich für dieses greifbare „Mitgebenkönnen“.


Mit vielen guten Wünschen für die weitere wertvolle Arbeit des Vereins, allen einzeln dafür Tätigen und im Besonderen Frau Gruber und Frau Kirsch als Ansprechpartnerinnen,

Sandra Lutz, Koordination und Entwicklung Trauerarbeit, Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V.

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