Unsere Zeit

Nur noch wenige Tage und es jährt sich dein Entbindungstermin.
Auch 3 Jahre später ist es immer noch ganz seltsam, wenn sich dieser Tag nähert.
Jedes Jahr, seit deiner Geburt, durchlebe ich die Zeit von deinem Geburtstag bis zu deinem eigentlichen Entbindungstermin sehr intensiv.
Manche Tage sind voller positiver Gedanken, manche Tage machen mich nachdenklich und manche Tage sind voller Sorge. Die Sorgen von damals werden wohl nie vergessen werden. Beim Wickeln schaue ich bis heute auf deine Leisten, streiche über deine Narben und lasse die Gedanken schweifen.
Was haben wir erlebt in den letzten Jahren.
In vielen warst du der Letzte, hast dir mit deinem Kampfgeist alles erarbeitet. Aber wenn du es erst konntest, dann richtig! Dein Dickschädel bringt mich manchmal an den Rand des Wahnsinns und doch bin ich froh, dass du diesen Dickschädel hast.
Die Sorgen und Emotionen sind anders und doch frage ich mich oft, wäre ich als Mama genauso, wenn du nicht zu früh auf die Welt gekommen wärst?
Wärst du genauso wissbegierig, wenn du erst zu deinem Entbindungstermin auf die Welt gekommen wärst?
Oder bist du etwa aufgrund deines neugierigen Wesens ein Frühchen? Weil du einfach schauen wolltest, was hier draußen so los ist?
Hast du nach der Geburt nicht geatmet, weil du zu sehr mit deinen Forschungsarbeiten um dich herum beschäftigt warst?
Fragen, die wohl immer unbeantwortet bleiben.
Und doch merke ich heute noch, wie sehr mich deine Zeit im Krankenhaus geprägt hat.
Wenn du auf der Schaukel mit deinem Kopf an meiner Brust liegst, muss ich immer an das Kuscheln auf der Station denken und automatisch gehen die Griffe zu deinen Händen, deinem Kopf und deinen Füßen. Ist nichts eingeklemmt? Liegst du bequem? Vermutlich total bekloppt und doch unser Alltag.
Wir beiden genießen es. Alle Geräusche um uns herum auszuschalten, uns von Papa leicht anschaukeln zu lassen und in unserer „Kuschelblase“ völlig gedankenlos den Moment auskosten…
Ob das jemals enden wird? Ein Leben ohne diese Gedanken? Ein Leben ohne das „Frühchendasein“. Auch wenn du dich vorbildlich entwickelst und alle um uns herum sagen, die Frühchenzeit ist zu Ende. Aber ist sie das jemals? Schließlich hat sie uns nicht nur 12 lange Krankenhauswochen geprägt, sondern auch die letzten 3 Jahre wie ein unsichtbares Band begleitet.

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