?Frühchenwunder mit 29 Wochen?

Als ich nach vielen vergeblichen Versuchen am 03.05.2016 endlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, konnte ich mein Glück kaum fassen… Doch die Freude wurde schon von Beginn an von den Sorgen gefressen. Ich hatte immer ein ungutes Gefühl, Rückenschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen, Sturzblutungen und das Gefühl, alles spielt sich zu weit unten ab und wächst nicht nach oben!?

In der 27. SSW kam ich das erste Mal wegen Trichterbildung mit Fruchtblasenprolaps ins Krankenhaus, wurde aber nach der Durchführung der Lungenreife wieder entlassen. Zu Hause angekommen, habe ich mich das erste Mal in dieser Schwangerschaft gut gefühlt. Ich hatte Kohldampf und habe mit Genuss mein Essen verschlungen. War glücklich und konnte den ganzen Tag nur schlafen und natürlich essen 😉 Heute denke ich, mein Körper hat einfach Kraft gesammelt für das was ihm bevor stand.

Bei 29+3 bin ich morgens aufgewacht, als mein Mann zur Arbeit ging. Ich bin aber liegengeblieben und hab ihn so verabschiedet, weil ich das Gefühl hatte, einen Schwall Wasser zu verlieren, wenn ich aufstehe. Als er zur Tür raus war, ging ich zur Toilette und rief ihn gleich an, er solle zurück kommen, da ich nun Gewissheit hatte, Fruchtwasser zu verlieren. Wir fuhren ins Krankenhaus und auf dem kompletten Weg musste ich ihn beruhigen. Er war so nervös und ich so ruhig und gelassen, dass ich ihm sogar anbot, zu fahren. 😀 Ich erinnere mich noch, wie ich ihm immer sagte, irgendwas gefällt unserer Tochter nicht in meinem Bauch und es ist nun an der Zeit, dass sich andere mit um sie kümmern. Im Krankenhaus angekommen, wurden wir schnell vertröstet bzw. mir wurde gesagt, ich muss einfach stationär bleiben bis es tatsächlich losgeht und dass sich das ziehen könnte, es gäbe genug Fälle, wo bis zum Termin oder sogar darüber hinaus ausgehalten wird. Mein Freund schmiedete also schon Pläne fürs Wochenende. Ich dagegen wusste, es handelt sich nur noch um höchstens Tage…

Am nächsten Morgen bin ich früh aufgewacht, so um vier halb fünf, und habe nach einer Schwester geklingelt, da ich so starke Rückenschmerzen hatte. Ich wurde vertröstet und es hieß, ich solle abwarten bis ich um sieben Uhr in den Kreißsaal zum CTG könne. Die Zeit kam mir wie eine Ewigkeit vor. Die Rückenschmerzen wurden immer mehr, kamen in immer kleineren Abständen und mir ging es überhaupt nicht gut. Punkt sieben stand ich im Kreißsaal zum CTG, schilderte meine Schmerzen, aber das CGT wurde als gut befunden und ich wieder auf mein Zimmer geschickt. Kurz darauf war Visite, bei der ich wieder meine Schmerzen beschrieb, die mittlerweile alle fünf Minuten so stark wurden, dass ich Angst hatte, dabei ohnmächtig zu werden. Mir wurde angeboten, ich könne jederzeit wieder in den Kreißsaal gehen und ein CTG verlangen, wenn die Schmerzen mehr wurden oder ich mich einfach nur beruhigen lassen wollte.

Also, Visite raus aus dem Zimmer, ich gleich wieder runter zum Kreißsaal und bat um ein weiteres CTG. Aber ich wurde weggeschickt, man hätte keine Zeit und es sei kein Wunschkonzert. Ich solle auf mein Zimmer und sie melden sich gegen Nachmittag, wenn wieder Kapazität für ein CTG wäre. Tränenüberströmt bin ich also wieder nach oben, wo mir auf dem Weg in mein Zimmer eine Ärztin entgegenkam, die mich fragte, was denn los sei. Ich schilderte ihr die Situation im Kreißsaal, meine Schmerzen, die mittlerweile alle zwei Minuten da waren und meine Sorgen und sie meinte, ich dürfe mit ihr wieder runter in den Kreißsaal, sie würde höchstpersönlich nachschauen.

Im Untersuchungszimmer angekommen, schaute sich die Ärztin die Sache erstmal von unten an und dann ging alles ganz schnell. Sie gab eine Zahlenkombination in ihr Telefon und sagte: „Wir holen jetzt ihr Kind. Ich sehe schon den Fuß.“ Binnen Sekunden füllte sich der Raum mit Ärzten, Hebammen und Schwestern. Ich wurde ausgezogen, auf eine Liege gelegt, in den Kreißsaal gefahren. Und dann erinnere ich mich nur noch daran, wie mir der Bauch eingepinselt wurde und mir jemand sagte: „Keine Sorge, es stehen schon zwei Kinderärzte vor der Tür, die nur auf ihren Einsatz warten.“

Als ich aufgewacht bin, war mein Bauch weg. Ich bekam ein Foto von meinem viel zu kleinen Mädchen, mein Mann wurde endlich angerufen, der kurze Zeit später an meinem Bett stand. Ich habe ihn gleich in die Kinderklinik geschickt, um nach unserem Mädchen zu schauen, während ich auf Station gebracht wurde.

Am Abend erst, als ich wieder einigermaßen bei Sinnen war, wurde mir alles erklärt. Erst am nächsten Tag durfte ich zu ihr und dieser Anblick riss mir den Boden unter den Füßen weg. So klein, so zart und so alleine in diesem riesigen Inkubator. Es hat mir mein Herz zerissen, sie dort so liegen zu sehen und nichts tun zu können. Die ersten Tage waren die schlimmsten. Sie ist eine Kämpferin, hatte nichts, war nur zu klein und musste wachsen, sodass sie nach genau acht Wochen, an Heiligabend, entlassen werden konnte.

Die Zeit auf der Neo kostet so viel Kraft, Mut, Geduld und Zuversicht … und am meisten kostet es Egoismus… Du kannst nicht 24 Stunden bei deinem Kindlein sein. Auch wir Mamas von Frühchen brauchen unser Wochenbett, müssen uns erholen, uns um uns kümmern und schauen, dass zu Hause alles vorbereitet ist, wenn dieser eine Tag kommt, an dem wir als Familie das Krankenhaus verlassen dürfen.

Ich lese ganz oft Erfahrungsberichte und Geschichten anderer Frühchenmamas und auch der Sternenmamas, weil es mir so leid tut und ich einfach still bei mir mitfühlen möchte. Unsere Tochter wäre auch fast ein Sternchen geworden. Keine weitere Minute hätte sie diesen Zustand in mir überlebt.
Ich bin einfach nur dankbar.

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