Durchatmen

Da sitze ich heute auf der Arbeit, als meine schwangere Kollegin sich meldet. Als ich ihre Nachricht lese, zieht es mir den Boden unter den Füßen weg. Immer und immer wieder muss ich ihre Nachricht lesen. Ein Schlag ins Gesicht! Dabei hab ich bis zuletzt noch mit ihr gehofft und gebangt, dass sich dieser Alptraum nicht bestätigt. Tränen schießen mir in die Augen. Ich muss raus an die Luft – einmal durchatmen. Ihre Worte treffen mich und zerreißen mir das Herz. Ich atme tief durch und antworte ihr, versuche ihr Halt zu geben – und ein offenes Ohr. Ich versuche stark zu sein, aber mir laufen die Tränen unaufhaltsam über das Gesicht. Sie hatte sich so sehr auf ihr kleines Baby gefreut und nun steht der Abschied an, noch bevor sie ihr Baby überhaupt kennenlernen durfte.
Das ist so unfair. Das ist sooo schwer. Ich finde kaum Worte dafür. Die Situation erdrückt mich. Nächste Woche habe ich doch meinen ersten Arzttermin und darf mein kleines Wunder hoffentlich zum ersten Mal sehen – denn auch ich habe vor ein paar Tagen einen positiven Test in der Hand gehalten. Ich durchlebe gerade das totale Gefühlschaos – von unendlicher Freude über Trauer und Wut, bis hin zur absoluten Hilflosigkeit. Diese Situation gerade sorgt für so viele Emotionen. Wie sollen wir zusammen arbeiten, wenn sie wieder kommt? Wie soll ich ihr entgegen treten, wenn mein kleines Wunder leben darf?

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