Die Brücke…

Dieses Bild erinnert mich an so viele Situationen, weswegen ich für mich beschlossen habe, dieses auszuwählen. Ich habe erst einmal überlegt, ob ich eher allgemein oder von mir aus erzählen soll. Aber warum nicht von einem selbst, wir sind fast alle in einer ähnlichen Situation oder eine dieser Situationen hat jemanden in diese Gruppe gebracht. Dann überlegt man, hmm, mit welchem Thema würde ich denn anfangen wollen? Nun ja, letztendlich fängt man immer bei einem traurigen Thema an und das ist ein Sternchen. Auch ich habe eins bzw. zwei mit mir getragen. Das erste habe ich nicht bewusst in mir gehabt, erst als es abging, habe ich es realisiert. Ich war noch recht jung und da ich mit all dem Männerkram erst spät angefangen habe, war das definitiv keins der Themen, mit denen ich mich früh beschäftigt hatte.
Das zweite Sternchen jedoch… Das war eine bewusste Nummer. Am 16.09.15 hatte ich diesen positiven Test in der Hand. Genau geplant, wie ich ihn meinem Mann präsentiere. Die Reaktion, unbezahlbar! Wir waren an dem Tag noch eingeladen und haben es auch gleich meinen Eltern gesagt. Schock und Freude zugleich, „smile“-Emoticon:-)
Die erste Untersuchung stand an, alles ok, man konnte sogar schon den ersten Herzschlag entdecken. Mann, war das ein komisches Gefühl. Da ist plötzlich etwas in mir. Und dann kam auch Panik auf: „Will ich das überhaupt? Bin ich denn schon bereit, Mama zu sein…?“ All solche Gedanken, die sicher jeder von sich hatte.
Meine Schwester aus Frankreich hatte Besuch für Ende Oktober angekündigt, am 23.10. Da hatten wir auch Arzttermin und mein Mann sollte mit, um auch endlich das Herzchen von unserem Kleinen zu sehen. Die Ärztin rief uns rein, fragte wie es mir ginge usw. Ich muss sagen, ich fühlte mich eigentlich nie schwanger. Dabei hatte ich soviel gehört darüber. Die Ärztin untersuchte und dann sah ich es einfach in ihrem Gesicht. Ich habe auf den Bildschirm gestarrt und gesucht. Obwohl ich nicht wusste, auf was man da so achten muss, wusste ich genau, mein Baby hat keinen Herzschlag mehr. Und ich weinte, erst leicht, dann immer mehr. Mein Mann wusste gar nicht, was mit mir los ist, meine Ärztin wusste, dass ich es verstanden hatte. Was sie zu mir gesagt hat, kann ich euch gar nicht mal mehr sagen. Ab da war alles nur noch Tunnel…. Sie rief den Oberarzt in der Klinik und den aus der Praxis an. Ich sollte sofort dort nachsehen lassen. Bessere Geräte, bla bla. Letztendlich konnten die Ärzte mir dort auch nichts Schöneres mehr sagen. Mein Baby hatte aufgehört zu leben. „Bin ich daran schuld?“ „Hätte ich es von Anfang an lieben müssen?“ „Hat es sich von mir zurückgewiesen gefühlt?“…
Vermutlich denkt jede Mami in dem Moment so. Der 23.10. war ein Freitag, da ich kein Notfall war, haben sie die Entnahme auf den 26.10. terminiert. Ich sollte also ein ganzes Wochenende mit meinem toten Baby im Bauch klar kommen. Ich konnte es nicht fassen… Es war eigentlich der Tag, wo wir es offiziell machen wollten, nur wenige waren eingeweiht. Und jetzt war doch eigentlich der sichere Zeitraum??
Ich führte Telefonate: Meine Schwester aus Frankreich musste informiert werden, nicht mit einer schönen, sondern schlechten Nachricht. Sie reiste auf meine Bitte ab, da ich nicht wollte, dass meine kleine Nichte mich so sieht. Mein Chef, der eingeweiht war, da es mir teils schlecht ging und ich zu Hause bleiben musste. Er hat fast mit geweint… Meine Eltern usw., keiner konnte die richtigen Worte finden, aber gibt es die überhaupt?
Wir fuhren heim, mein Mann ließ mich trauern, weinen, schimpfen… Er selbst lässt sich kaum Gefühle ansehen, er hat für sich getrauert. Zwei Tage später, Sonntags, waren wir bei meinen Eltern zum Essen eingeladen und ich fing an zu bluten. Da ich wusste, dass das Baby nicht allein rauskam und es immer mehr wurde, fuhren wir heim, nahmen meine Tasche und sind ins Krankenhaus. Um 22.30 Uhr war alles vorbei… ich habe einfach nur noch geweint.
An dieser Stelle beende ich die traurige Erinnerung. Warum dieses Bild? Ich fahre seitdem wieder sehr oft ans Meer (4 Std entfernt) und wenn ich diese Brücke sehe, ist es, als wäre ich gerade da. Wie ich mein Sternenbaby an die eine Hand nehme und meinen Sohn an die andere und wir meinem Sternenbaby sagen, es soll keine Angst haben und es über diese Brücke begleiten. Und jedes Mal, wenn wir am Meer sind, erzähle ich meinem Sohn von seinem Geschwisterchen, das auf der anderen Seite oben auf der Wolke sitzt und ihm eifrig winkt.

-Mara-

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