Das erste Mal …

Manchmal reist man ja ungewollt in ein Krankenhaus. So ist es bei mir auch seit vergangenem Mittwoch und weil die Station, wo ich gesundheitlich eigentlich hin sollte, voll belegt war, steht mein Bett auf der Gyn und Geburtshilfe. Was bin ich froh, eine tolle Station mit sehr nettem Personal, was auch mal einen Spaß macht und versteht.
Gleich im Nachbarzimmer liegt seit 2 Wochen ein kleiner Kämpfer mit 40 cm und jetzt etwas über 2.200 g.
Er war vorher in Berlin mit ca. 900 g zur Welt gekommen. Gestern war er so unruhig nachdem seine Eltern weg waren und mir fiel ein, dass ich das Hörbuch „Eine Stimme für Frühchen“ auf dem Telefon gespeichert habe.
Die Kinderschwester saß gerade mit ihm auf dem Schoß, Fläschchen in der Hand und es fiel ihm schwer zu trinken. Also fragte ich nach, ob sie mal was ausprobieren mag und darf. Sie meinte: „Warum nicht?“ Hörbuch angemacht und neben ihren Platz gestellt, in einer angenehmen Lautstärke, ich empfand das als flüstern. Bin erstmal weiter im Krankenhaus unterwegs gewesen, so ca. 30 min, eh ich wieder am Zimmer des Kleinen vorbei musste. Die Schwester kam mir schon freudestrahlend mit noch laufendem Hörbuch entgegen. Die ganze Flasche war geleert und er hat gelauscht über die tolle Stimme aus dem Hintergrund, erzählte sie, so ruhig habe er noch nie getrunken. Was für ein schönes Erlebnis.
Bis zum Nachtschichtwechsel durfte die Stimme den kleinen Mann begleiten. Es war so schön zu beobachten, wie auch seine Werte gleichmäßiger wurden, kaum ein Warn-Piepen kam aus seinem Zimmer, was vorher die ganzen Tage immer wieder zu hören war.
Das Buch wollen sich die Schwestern jetzt anschaffen, um es für Frühcheneltern zum Vorlesen bereit zu haben. Ein Kleidungsstarterpaket und eine kleine Grundausstattung für das nächste kleine Frühchen darf ich auch abgeben, dies aber erst, wenn ich entlassen werde. Hoffe, es dauert nicht mehr so viele Tage.
Bis dahin vertreibe ich mir erstmal meine Wartezeit zwischen Visite, Infusionen, Essen und Schlafen sowie mit Decken häkeln, Wolle ist genug in der Tasche.

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