Zwillinge – blindes Verstehen

Damit ihr auch weitere Aussagen/Texte hier versteht, möchte ich als Zwillingsmutter versuchen, euch einen Teil der magischen Beziehung beizubringen, die auch ich erst verstehen musste.

Als ich erfuhr, dass wir Zwillinge bekommen werden, bestellte ich mir quasi direkt ein Buch: „Die Schwangerschaft und die ersten zwei Jahre mit Zwillingen“. Ich las eine Seite mitten im Buch, bekam schiere Panik und rührte dieses Buch bis heute nicht an.

Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört, habe die Kinder gespürt, beobachtet und erst jetzt, 8 Jahre später, lese ich in Büchern nach und entdecke noch viel mehr. Bereits im Bauch merkte man ziemlich schnell, dass beide miteinander kommunizierten. Wenn Zwilling 1 morgens Schluckauf bekam, war Zwilling 2 so genervt, dass er mächtig trampelte. Er mochte es nicht, im Schlaf gestört zu werden. Das hält tatsächlich bis heute. Und wenn einer sich leicht bewegte, stimmte der zweite schnell ein. So war es auch nach der Geburt. Getrennt schlafen? Niemals! Selbst im Kinderwagen suchte eine Hand oft die andere. Weinte einer, versuchte der andere immer zu trösten. War einer krank und brauchte mehr Fürsorge, konnte der andere stundenlang im Laufstall liegen und die Decke anschauen.

Meine Zwillinge, und das ist nicht unüblich, entwickelten sogar eine eigene Sprache. Bis wir Eltern merkten: Kein anderes Kind versteht die Zwei. Noch heute herrscht zwischen den beiden eine extrem innige, bedingungslose Liebe. Und verrückterweise kommt auch schon mal ein Kind aus der Schule: „Geht es meinem Brudi so schlecht, dass er nach Hause musste? Ich glaube, der hatte keine Lust auf Religion!“ Wie sich später herausstellte, hatte er es tatsächlich nicht. Sie verstehen sich nicht nur mit Blicken, die brauchen sie nicht. Schwer zu greifen, aber ich denke, viele Zwillingseltern oder Zwillinge können hier tatsächlich selbiges berichten.

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