Erwartung

Wie fang ich bloß an, um nicht gleich am Anfang mit feuchten Augen zu schreiben.
Wenn dich was erwartet, was du eigentlich nicht erwartet hättest.
Wenn ein Gespräch von Wetter, wie hast du uns gefunden, über Brautkleid zum verlorenen Kind führt, dann bleibt mir erstmal ein Kloß im Hals stecken. Ich merke, wie sich meine Augen verändern und so langsam am unteren Lidrand sich die erste Träne bildet. Schnelles Zwinkern hilft nur leicht, dann läuft sie über die Wange und meinem Gegenüber geht es genauso.
Nur ein Unterschied bestand. Sie erzählte und ich hörte zu. Hörte, wie sie sagt, daß sie vor einem Jahr auch ein Kind hat gehen lassen müssen. Sie erzählt, wie es für sie war.
Erst die Freude, dann plötzlich Angst, mitten in der Nacht 10. SSW Blutungen, selbst noch ins KH gefahren und dort gleich in den OP, Ausschabung und nichts erfahren, nichts vom Kind blieb ihr als Erinnerung, nichts, als nur diese schlimme Erfahrung, nach 2 Tagen wieder allein, ohne Kind unter ihrem Herz nach Hause zu gehen.
Es war für mich ein Schock, wie unmenschlich es in manchen Einrichtungen noch zu geht. Ab und zu schauten wir einfach in die Ferne vor ihrem Haus und fühlten uns so hilflos bei dem Gedanken.
Ich nahm sie in die Arme und fragte, ob sie gern eine kleine Erinnerung für ihr Sternchen hätte. Sie schaute ganz erstaunt und äußerte mit einem Lächeln im Gesicht “Gibt es sowas? Ja, sooo gern.” Diesen kleinen kurzen Moment werde ich nicht vergessen, die traurigen Augen veränderten sich, und mir kam es fast vor, als fingen sie an zu leuchten. Diesen Moment des Aufatmens nutzte ihre kleine Tochter, die um uns herum wuselte, einzuwenden, “Mama hat einen Hasen.” Wir schauten uns an und fingen an zu lachen. Wie er heißt, wollte ich wissen, die Antwort war goldig ” 2 Ohren und hat Hunger “
Unser Treffen war spontan und durch eine FB-Gruppe zustande gekommen. Einfach nur, weil es sich langsam rumspricht, daß wir hier für Sternenkinder nähen und die Mama gern ihr Brautkleid dafür spenden möchte. Sie möchte ihren Teil dazu beitragen, daß es anderen Betroffenen nicht auch so ergeht, wie ihr. Ich äußerte meine Dankbarkeit und verabschiedete mich mit den Worten: Es ist schön, dich kennengelernt zu haben, und werde mich bald bei dir melden, um dir etwas Schönes zu überreichen.
Das Minimädchen neben uns:
“Das ist schön! “ Ich glaube, sie war gerade knapp 3 Jahre alt.

Marlen

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