Frauen- und Kinderklinik Stendal – Januar

Es gibt Momente im Leben, da möchte man die Zeit gerne anhalten. Weil sie so schön sind, man sie gern noch etwas behalten und genießen möchte.
Und dann gibt es diese Momente, in denen sich die Welt ganz plötzlich nicht mehr dreht. Es keinen Moment zum Genießen gibt, der Schmerz so betäubend und kaum zu ertragen ist.

Der Moment, wenn der Termin zur Sammelbestattung immer näher rückt und alles so greifbar und unerträglich wird. Man Angst hat, diesen Weg nicht gehen zu können. So ein Moment bzw Tag war am Ende des letzten Jahres.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an den kleinen Pablo. Meine, Monique Salm, erste persönliche Übergabe eines Sternchensets. Seine Mama fragte mich mehrfach, ob ich auch bei der Bestattung sein werde. Also sprach ich mit der Seelsorge und fragte auch gleich, ob sie noch etwas bräuchte für die Bestattung.
Sie sagte mir, dass sie soweit alles hat und ich gern kommen darf.
Es war ein grauer Tag. Immer wieder regnete es. Bei einem Zwischenstopp , ich hatte noch Besorgungen für die Gruppe auf meinem Zettel, sah ich schon die Regenbogenbrücke.

Während der einstündigen Fahrt regnete es dauerhaft. Vor Ort angekommen, traf ich gleich auf Pablos Familie. Seine Mama war sehr dankbar darüber. Wir warteten noch kurz, bis alles vorbereitet war und der kleine Sarg seinen Platz in der kleinen beheizten Kapelle gefunden hatte. Danach ließ ich den Eltern den Vortritt und den kleinen Moment allein mit ihren Sternchen. Ich konnte draußen noch ein paar Worte mit der Seelsorgerin wechseln, bevor die Zeremonie begann.
Gleich zwei Sätze nach den Begrüßungsworten schossen mir die Tränen in die Augen. Sie las einen Brief einer Sternenmama vor, später noch einen von einem Sternenpapa.
Wir hörten das Lied von Lauras Stern und sie verteilte Teelichter in Sternenform, die die Eltern mit nach Hause nehmen konnten. Zudem hatte sie noch weiße Grablichter, auf denen die Eltern und Verwandten ein paar Worte und liebe Grüße schreiben konnten, bevor sie an das Grab gestellt wurden.
Nach einem Gebet ging es dann den kurzen Weg zu der großen Sternchenwiese. Eltern, Verwandte, der Bestatter und die Seelsorgerin gaben den kleinen Sternchen einen letzten Gruß mit auf die Reise.
Ich hatte einen mächtigen Kloß im Hals und mir liefen die Tränen. Während die Eltern langsam Abschied nahmen und noch Fotos machten, hielt ich mich weiter im Hintergrund, da ich nicht stören wollte. Ich wartete geduldig, bis Pablos Familie soweit war und verabschiedete mich von ihnen.
Zutiefst dankbar und geerdet fuhr ich heim zu meinem Kind.

Am folgenden Tag hatte ich dann den Termin zur Vorstellung bei der Seelsorgerin. Mein Beutel war voll bis oben hin. Sie holte mich vom Eingangsbereich der Klinik ab und wir gingen in ihr kleines Reich. Eine wohlige Atmosphäre, ein kleines Licht und ein paar Kerzen. Sie hatte Kaffeetassen, Cappuchino und Tee vorbereitet. Wir nahmen Platz und plauderten los. Irgendwann holte ich dann all die tollen Sachen von euch aus meiner Tasche. Sie war sprachlos und hatte Mühe, sich zu entscheiden.

Es wurde alles bestaunt und ihr gefiel, mit wie viel Liebe die Sets gepackt wurden, die Erinnerungsstücke genäht und gehäkelt, geklebt und bemalt wurden. Sie war beeindruckt von der Größe des Vereins und dem Weg, den ich „auf mich genommen habe“, um uns vorzustellen.
Wir sprachen über die Arbeit mit den Hebammen, die sehr gut funktioniert. Von den Sammelbestattungen, die alle 4 Monate statt finden. Über die Treffen, die den Eltern angeboten werden, damit sie über ihre Trauer reden und sie verarbeiten können. Wir sprachen über so viel. Auch über den Bestatter, der sehr viel für die Eltern tut, möglichst kostenfrei. Es war für mich sehr interessant und es war sehr entspannt, so dass die Zeit nur so dahin flog und ich gar nicht bemerkte, dass ich knapp 2 Stunden bei ihr im Zimmer saß.
Frau B. nahm sich ein paar Einschlagdecken, Cabochonanhänger, die wunderschönen Sternchenkarten und ein Körbchen voll mit Herzen, Bärchen, Wolken und Wichteln und die Tüte mit den gehäkelten Schmetterlingen drückte sie ebenfalls ganz fest an sich. Denn nun hat sie auch für die ganz kleinen Sternchen etwas, die bisher nichts bekommen haben. Auch über die Flyer hat sie sich sehr gefreut.
Irgendwie kamen wir auf Inkubatordecken zu sprechen und ihre Augen begannen zu leuchten. Ein Gespräch mit den Hebammen diesbezüglich ist schon vorprogrammiert.

Somit haben wir eine weitere Klinik mit Sternchensachen versorgt und Frühchen ist in Arbeit.

Text: Monique Salm

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